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„Und wenn sie’s wüsste…“

Aktualisiert: vor 12 Stunden

Ich war gut im Alleinsein.

Richtig gut.

Hab gelernt, mit der Stille zu frühstücken,

mit Gedanken spazieren zu gehen

und mit meinem Schatten zu reden,

wenn sonst niemand da war.


Eye-level view of a serene landscape with a winding path

Ich war „frei“.

Unabhängig.

Unberührt.

Unangreifbar.

 

Und dann …

kam sie.

 

Wie ein Sturm.

Und nichts ist da, wo es einmal war.

Wie Licht, das durch einen Riss fällt –

wuchtig,

spürbar,

echt.

 

Ein Mensch,

der die Luft verändert,

einfach nur durchs Atmen.

Eine Frau,

die lacht –

und irgendwo in mir

wird’s plötzlich hell.

Immer und immer wieder.

 

Sie ist da.

Nicht weit weg,

nicht verloren,

nicht fort —

sie ist einfach … da.

Direkt vor mir.

 

Und doch weiß sie nichts.

Sie weiß nicht,

dass jedes ihrer Worte

in mir Wurzeln schlägt.

Dass ihre Nähe

mich stärker macht –

und gleichzeitig zerbrechlicher.

 

Seit ich sie kenne,

fühlt sich Alleinsein anders an.

Nicht leer,

nicht schlimm,

aber … anders.

Zu laut.

Zu viel.

 

Alleinsein hat plötzlich etwas von einsam,

weil das Herz plötzlich zu wissen glaubt,

dass etwas fehlt.

 

Ich hätte nie gedacht,

dass Zweisamkeit so leicht klingen kann –

so selbstverständlich,

so frei,

so … möglich.

 

Und jetzt?

Jetzt schmerzt die Einsamkeit,

weil sie plötzlich ein Gesicht hat.

Ihre Augen.

Ihr Lachen.

Ihr „Wie geht’s dir?“ –

das ich zu ernst nehme,

weil ich zu viel fühle.

 

Es ist kompliziert.

Zu kompliziert.

Wie eine Melodie,

die ich nicht laut singen darf.

Wie ein Rhythmus,

bei dem dein Fuß mitwippen will –

aber nicht darf.

 

Sie ist da,

und trotzdem so weit weg,

weil sie nichts weiß.

Weil ich nichts sage.

Weil alles,

was ich fühle,

nicht zwischen uns passen würde.

 

Vielleicht ist sie nur hier,

um mir zu zeigen,

dass mein Herz noch lebt.

Dass ich lieben kann.

Dass ich’s noch kann –

trotz allem, was war.

 

Vielleicht ist das ihre Aufgabe:

nicht zu bleiben,

sondern mich zu wecken.

 

Und trotzdem …

trotz aller Vernunft,

trotz allem „Ich weiß“,

flüstert mein Herz nachts:

 

„Und wenn sie’s wüsste?“

 

Wenn sie’s wüsste,

dass ich losreisen würde –

ohne Ziel,

ohne Zweifel,

nur um sie zu sehen.

 

Wenn sie’s wüsste,

dass selbst die schönsten Orte der Welt

blass werden,

seit sie in meinem Kopf wohnt.

 

Wenn sie’s wüsste,

dass mein Lächeln ein bisschen echt

und ein bisschen Schutz ist.

 

Was dann?

Würde sie lachen?

Wegsehen?

Bleiben?

Oder einfach nicken,

weil sie’s längst gespürt hat,

ohne dass wir’s je gesagt haben?

 

Ich weiß, es gibt keine Chance.

Zu viel Realität.

Zu viele Grenzen.

Zu viele andere Leben.

 

Aber da ist dieses kleine,

winzige,

trotzdem.

Dieses „Und wenn doch?“

 

Vielleicht reicht genau das,

um weiterzumachen.

Nicht, weil’s je sein wird,

sondern,

weil es sein könnte.

 

Und wenn sie’s wüsste …

Was dann?

Vielleicht – nichts.

Vielleicht – alles.

Vielleicht …

würde sie einfach lächeln.

 

Und ich –

würde wieder verrückt danach werden.

 

Und irgendwo,

in all dem Unausgesprochenen,

in all dem „zu spät“

und „vielleicht viel zu früh“,

lebt es weiter.

 

Dieses kleine,

trotzige,

unmögliche

„Und wenn doch …“



 
 
 

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